Kokain

Grundsätzliches

Kokain (auch Cocain) ist ein starkes Stimulans und Arzneimittel. Es wird weltweit als Rauschdroge mit hohem psychischen, aber keinem physischen Abhängigkeitspotential benutzt. Chemisch-strukturell gehört es zu den Tropan-Alkaloiden und ist ein Derivat von Ecgonin. Die Cocapflanze als Quelle des Kokains wird in Südamerika in Höhen zwischen 600-1000 Metern angebaut. Der Gehalt an Alkaloiden im Cocastrauch liegt zwischen 0,5-1,0%. Die Blätter des Strauches werden zerkleinert und eingeweicht. Mit Lösungsmitteln werden dann die Alkaloide extrahiert und verseift. Die Extraktion des Kokains wird meist vor Ort als Säure-Base- Extraktion in Wannen, Plastiktonnen oder Erdlöchern durchgeführt. Dabei werden technische Chemikalien wie Kerosin oder Batteriesäure verwendet, was mit ein Grund für die vielfältigen Verunreinigungen des illegalen Kokains ist. Die dabei entstehende Cocapaste hat einen Wirkstoffgehalt von 60-80%.

 

Geschichte

Die ersten Cocasträucher kamen im 18. Jahrhundert nach Europa. 1860 isolierte Niemann in Göttingen das erste Mal die aktiven Komponenten des Strauches. Er gab dem Alkaloid den Namen Kokain. Ab 1879 wurde Kokain verwendet, um Morphinabhängigkeit zu behandeln. 1884 kam es als lokales Anästhetikum in Deutschland in klinischen Gebrauch. Ärzte berichteten über die erfolgreiche Anwendung von Kokain bei der Behandlung von Asthma, Heuschnupfen und Zahnschmerzen. Die erste Rezeptur des Getränkes Coca-Cola enthielt bis 1906 einen Extrakt aus Coca-Blättern. Erst allmählich entdeckte man das Abhängigkeitspotential und die Toxizität der Substanz. In den 90iger Jahren verbreitete sich Kokain, auch wegen einem drastischen Preisverfall, rasant. Nach Schätzungen liegt der Jahresverbrauch in Deutschland bei circa 20 Tonnen. Man versucht durch Messungen im Abwasser den entsprechenden Verbrauch zu bestimmen. Diesen Messungen zufolge verbrauchen 38,5 Millionen Menschen, deren Abwässer der Rhein bei Düsseldorf enthält, etwa 11 Tonnen reines Kokain pro Jahr. Der Schwarzmarktpreis für ein Gramm Kokain liegt in Europa zwischen 40-90 Euro.

Einnahme & Wirkungen

Kokain wird überwiegend durch die Nase konsumiert, es kann aber auch geraucht, gespritzt oder oral eingenommen werden. Beim Schnupfen der Substanz tritt die Wirkung nach zwei bis drei Minuten ein und hält 30-45 Minuten an. Kokain bewirkt im Zentralnervensystem eine Stimmungsaufhellung bis zur Euphorie, ein Gefühl von gesteigerter Leistungsfähigkeit und Aktivität sowie das Verschwinden von Hunger- und Müdigkeitsgefühlen. Die Gefahr an einer Überdosis Kokain zu sterben ist deutlich geringer als zum Beispiel bei Heroin. Trotzdem gehen zusätzliche Gefahren von den gängigen Streckmitteln Lidocain, Tetracain und Levamisol aus. Letzteres ist ein Entwurmungsmittel, das häufig schon in den Herstellerländern beigemischt wird. Es sind ebenso vereinzelt lebensgefährdende Verunreinigungen mit Atropin aufgetreten. Eine Überdosierung ist natürlich möglich, diese wird als Kokainvergiftung oder –schock bezeichnet, die sich durch Blässe, kalten Schweiß, Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen und Koordinationsprobleme äußert. Sie kann zum Kreislaufkollaps und zum Tod führen, wenn nicht zeitnah Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Langzeitfolgen

Nach dem Kokainrausch kann sehr schnell eine Depression auftreten, was den Konsumenten nicht selten sehr zeitnah wieder zur Droge greifen lässt. Das psychische Abhängigkeitspotential ist dadurch sehr hoch. Ebenso kann es zu einer Kokainpsychose kommen, die durch paranoid wahnhafte Wahrnehmungsstörungen gekennzeichnet ist. So glauben Betroffene oft, dass Insekten unter ihrer Haut krabbeln. Außerdem wird die Kokainabhängigkeit häufig mit einem Verfall des Gewissens des Konsumenten in Verbindung gebracht, da die Konsumdynamik im Zusammenspiel mit der selbstbewusstseinssteigernden Wirkung das soziale Bewusstsein verblassen lässt. Kokain wird deshalb auch als „Egodroge“ bezeichnet. Langfristiger Konsum führt zu starken Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur, zu antisozialem und narzisstischem Verhalten. Häufig stellen sich Kontaktstörungen und Tendenzen zur sozialen Isolation ein. Weitere Symptome sind Angst, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Depressionen.

Neben den psychischen Folgen gibt es selbstredend ebenso die rein körperlichen: Schäden an Herz, Leber, Nieren, Schwächung Immunsystem, Verminderung Geruchs- und Geschmackssinn. Schädigung der Nasenschleimhaut und –nebenhöhlen, was zu chronischem Nasenbluten führen kann. Blutgefäße und die Haut leiden ebenfalls. Die häufige Einnahme von Kokain kann bei Frauen zu starken Menstruationsbeschwerden bis hin zur Unfruchtbarkeit führen.