THC
Cannabis
Marihuana

Grundsätzliches

THC – Tetrahydrocannabinol zählt zu den psychoaktiven Cannabinoiden und ist der hauptsächlich rauschwirkende Bestandteil der Hanfpflanze (Cannabis). Cannabis ist der wissenschaftliche Name der Gattung Hanf. Umgangssprachlich werden allerdings häufiger die Begriffe „Gras“ oder „Marihuana“ für die weiblichen Blüten der Pflanze und „Hasch“ für das daraus gewonnene, gepresste und in der Regel durch Beimischungen „gestreckte“ Harz benutzt. Besitz und Weitergabe sind in den meisten Ländern verboten, so auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo Cannabis die am häufigsten konsumierte, illegale Droge ist.

 

Geschichte

Die medizinische Nutzung von Hanf lässt sich durch Aufzeichnungen alter, chinesischer Bücher zur Heilkunst bis 4.700 Jahre zurückverfolgen. In der indischen Literatur bis 2.500 Jahre. Mit dem ersten Kreuzzug (1096-1099) wurde Cannabis auch in der europäischen Medizin eingeführt. Anwendungsbereiche waren rheumatische und bronchiale Erkrankungen, aber auch Anwendungen in der Epilepsie und bei Schmerzen. Cannabis wurde darüber hinaus ebenfalls als Opiumersatz verschrieben. Im 19. Jahrhundert wurde es unter anderem gegen Migräne, epilepsieähnliche Krämpfe und Schlafstörungen eingesetzt. Marihuana war, bis zu seiner Verdrängung durch Aspirin Ende des 19. Jahrhunderts, in Amerika das am häufigsten benutzte Schmerzmittel. Zwischen 1842 und 1900 machten Cannabispräparate dort die Hälfte aller verkauften Medikamente aus. In Europa waren zwischen 1850 und 1950 über 100 Cannabismedikamente erhältlich. Wegen Dosierungsschwierigkeiten, paradoxen Wirkungen und der Entwicklung synthetischer Medikamente nahmen die Verschreibungen im 20. Jahrhundert ab, bis Cannabis Mitte des 20. Jahrhunderts fast weltweit komplett verboten wurde. In vielen Ländern ist die medizinische Anwendung heute allerdings wieder erlaubt.

Einnahme & Wirkungen

Die gebräuchlichsten Einnahmeformen sind über die Lunge und den Magen. Beim Inhalieren setzt die Rauschwirkung nach wenigen Minuten ein und hält zwei bis drei Stunden an. Inhaliert wird die Droge meist per sogenanntem „Joint“. Dabei handelt es sich um eine mit Papier gedrehte Art relativ großer Zigarette, die man wegen ihrer konischen Form auch als „Tüte“ bezeichnet. Sehr oft wird ebenso über einen sogenannten „Bong“ inhaliert. Dieser Bong ist eine Art Riesenpfeife, meist aus Glas gefertigt. Dessen Konstruktion befördert beim Inhalieren ein besonders tiefes Einatmen, welches die Wirkung der Droge verstärkt.  Bei der oralen Einnahme ist eine Wirkung erst nach 30-60 Minuten zu spüren, diese hält allerdings deutlich länger an. Da die Cannabinoide fettlöslich sind, werden sie in fetthaltigen Trägersubstanzen gelöst. Oft wird sogenannte Cannabisbutter in Gebäck verbacken (umgangs-sprachlich als „Haschkekse“ bezeichnet) oder mit Kakao oder Schokolade gebunden.

Der durch die Einnahme erzeugte Rausch kann Bewusstseinsverschiebungen mit sprunghaftem Denken und eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses mit sich bringen. Diese Bewusstseinsveränderung kann positive, aber auch negative Empfindungen hervorrufen. Der Konsument hat den Eindruck, zu tieferen Erkenntnissen und Einsichten zu gelangen, die im unberauschten Zustand jedoch nicht mehr erinnerlich sind oder sich als trivial und unsinnig erweisen. Meist wird von einer Intensivierung des Gefühlslebens, in der Regel von einem positiveren Lebensgefühl und dem Empfinden einer innigeren Verbundenheit zu vertrauten Personen berichtet. Die Emotionen können aber auch in Angst, Traurigkeit, Misstrauen und in eine veränderte, fremde, nicht zu sich gehörige Eigenwahrnehmung führen. Häufige körperliche Effekte sind gerötete Augen und extrem weit geöffnete Pupillen, die sich auch bei starkem Lichteinfall nicht verengen. Ebenso kommt es zu Mundtrockenheit, gesteigertem Hungergefühl, Erhöhung des Pulses, Senkung des Blutdruckes und Müdigkeit bzw. Antriebslosigkeit. Insbesondere wegen der letzteren Wirkung, benutzen Konsumenten aufputschender Drogen, wie zum Beispiel Crystal, Cannabis gerne zusätzlich, um „wieder herunter zu kommen“ und schlafen zu können. Die akuten Wirkungen von Cannabis können je nach Person, Wirkstoffanteil, momentaner körperlicher und psychischer Verfassung oder Erfahrung mit der Droge sehr unterschiedlich sein. Der Konsument kann die zu erwartende Wirkung deshalb nicht zuverlässig einschätzen! Cannabis selbst ist nur mäßig giftig. Ein siebzig Kilo schwerer Mensch müsste über 10g reines THC essen, um in den Bereich einer tödlichen Dosis zu gelangen. Deutlich gefährlicher ist der Mischkonsum mit anderen Drogen. Bei Alkohol wird dessen Wirkung sehr verstärkt und es kann zu Übelkeit und Ohnmacht kommen.

Langzeitfolgen

Diese sind von sehr vielen, individuellen Voraussetzungen abhängig. Von der Ausgangskonstitution des Konsumenten, der Dauer und der Intensität des Konsums. Besonders ausgeprägt sind psychische Folgen, insbesondere das Risiko einer Schizophrenie. Dabei treten eine Vielzahl von charakteristischen Störungen auf, die fast alle Bereiche der Psyche betreffen: Die Wahrnehmung, das Denken, die Ichfunktionen, den Willen, das Gefühls- und Gemütsleben, den Antrieb und die Psychomotorik. Häufig werden Stimmen gehört, es kann der Wahn auftreten, verfolgt, kontrolliert und ausspioniert zu werden, Halluzinationen aller Sinne sind möglich, Antriebslosigkeit, mangelnde Motivation, emotionale Verflachung, Freudlosigkeit und sozialer Rückzug sind oft zu beobachten. Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat die Langzeitfolgen einmal sehr gut zusammengefasst: „Zwar hat der Konsument selbst ein Gefühl erhöhter Leistungsfähigkeit, die jedoch objektiv betrachtet immer mehr abnimmt. An die Stelle geordneten Denkens und logischer Schlussfolgerungen tritt häufig eine Art Scheintiefsinn, wovon vor allem Sorgfaltsleistungen betroffen sind … Im Zusammenhang mit dem genannten Amotivationssyndrom zeigt sich ein zunehmendes, allgemeines Desinteresse, gepaart mit verminderter Belastbarkeit. Der Konsument zieht sich immer mehr in sich zurück und wird sich selbst und den Aufgaben des Alltags gegenüber immer gleichgültiger. Er fühlt sich den Anforderungen der Leistungsgesellschaft allmählich immer weniger verpflichtet, aber auch immer weniger gewachsen und schert mehr und mehr aus seinem bisherigen sozialen Gefüge aus.“

Besonders kritisch ist der Konsum von Cannabis bezüglich eines möglichen Verlustes des Führerscheins. Im Gegensatz zu vielen anderen Drogen ist der Wirkstoff THC bis zu fünf Tage im Blut nachweisbar. Dies heißt also im Klartext: Am Wochenende Cannabis rauchen und unter ungünstigen Umständen noch in der folgenden Woche durch einen Drogentest im Zuge einer Verkehrskontrolle den berühmten „Lappen“ verlieren. Dabei wird in der Regel kein zeitlich befristetes Fahrverbot ausgesprochen, sondern seitens der Führerscheinstelle der Führerschein entzogen. In diesem Falle sind dann in den nächsten 12 Monaten zunächst die Drogenfreiheit per Tests nachzuweisen und danach eine medizinisch-psychologische Untersuchung zu bestehen (MPU, im Volksmund auch als Idiotentest bezeichnet). Beides gibt es natürlich nicht kostenlos. Manche haben dafür mehr Geld ausgegeben, als für den Erwerb des Führerscheins. Und sollte man beide Hürden nicht innerhalb von zwei Jahren schaffen, kann auch der völlige Neuerwerb des „Lappens“ angeordnet werden, heißt noch einmal Theorieunterricht und –prüfung plus Fahrstunden und Prüfung. So, als hätte man noch nie einen Führerschein besessen.

Noch eine abschließende Bemerkung: Über keine Droge und deren Wirkung wird wohl so viel diskutiert wie im Fall des Cannabis. Und sicher gibt es viele Leute, die „hin und wieder mal ein wenig kiffen“, ohne, dass deshalb ihr Leben zusammengebrochen ist. Dies mag alles sein. Trotzdem dürfen zwei Punkte nicht vergessen werden: Erstens, macht es definitiv bezüglich der Gefahren einen erheblichen Unterschied, ab welchem Alter jemand „hin und wieder kifft“. Tut er das bereits mit 13, 14 Jahren, wird dies sein Leben nachhaltig negativ beeinflussen! Und zweitens: Cannabis gibt es nicht im Laden zu kaufen, sondern nur auf dem illegalen Drogenmarkt. Will ich mir diese vermeintlich harmlose Droge besorgen, muss ich also den Kontakt zu einem Dealer suchen. Allerdings verkauft kein Dealer in diesem Land ausschließlich Cannabis! Er wird deshalb stets versuchen, den Cannabiserwerber auch zum Erstkonsum anderer, extrem gefährlicherer Drogen zu bewegen. Allein schon deshalb ist auch das Kiffen stets ein Balanceakt am Rande des Abgrundes!